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Buchtipp: Wolf Schneiders „Deutsch für Profis –Wege zu gutem Stil“

16. Mai 2016 | Autor: christiane maack | Kategorie: Sonstiges

Wir möchten auf dem Blog zukünftig regelmäßig gute Bücher vorstellen, die uns bei der täglichen Arbeit helfen. Wolf Schneiders Ratgeber für alle, die schon schreiben können oder es noch lernen wollen, steht ganz oben auf unserer Liste.

Das Taschenbuch kommt zunächst eher unscheinbar daher. Die Tatsache, dass es im Goldmann Verlag erscheint, ist dem Eindruck, dass es sich dabei um einen Klassiker handelt, ebenfalls nur bedingt zuträglich. Dass dieser Eindruck gewaltig täuscht, offenbart sich bereits beim Blick ins Impressum. 21. Auflage. Erschienen erstmals 1984. Das Buch ist aus Schreibseminaren, Schulungen zum Thema Öffentlichkeitsarbeit oder der Bibliothek von Verlagen, Redaktionen und Kommunikationsabteilungen nicht wegzudenken. Es ist ein Werk, das man – einmal gelesen – immer wieder in die Hand nehmen kann. Nämlich dann, wenn das Schreiben trotz täglicher Praxis nicht mehr flüssig von der Hand geht. Ebenso geeignet ist es als Nachschlagewerk für Anfänger, die sich fragen, was gut schreiben überhaupt bedeutet, aber auch für Fortgeschrittene, die noch Schwierigkeiten haben, sich an einfache Regeln wie „Weg mit den Adjektiven!“ oder „Her mit den Verben!“ zu halten.

Der Autor

Wolf Schneider (*1925) ist Journalist und Autor zahlreicher Sachbücher zum Thema gutes Schreiben. Er arbeitete viele Jahre bei der "Neuen Zeitung", der "Associated Press", der "Süddeutschen Zeitung" und dem "Stern", war Chefredakteur bei der "Welt" und über 15 Jahre Leiter der Henri-Nannen Journalistenschule. Bis 2013 schrieb Schneider für das Monatsmagazin der Neuen Zürcher Zeitung Artikel und Kolumnen. Schneider wird oft als „Sprachpapst“ bezeichnet und steht für eine knappe, aber informationsreiche Schreibweise.

Das Buch ist nicht nur wegen seiner Kürze zu empfehlen, sondern auch wegen seiner Klarheit und Einfachheit. Wolf Schneider predigt nicht nur guten Stil, er hält sich auch daran. Das macht das Lesen zum Vergnügen und illustriert gleichzeitig pädagogisch wertvoll, was guten Stil ausmacht. Die witzige Schreibweise sowie die unzähligen Beispiele – gute wie schlechte – tragen zusätzlich zum Lesegenuss bei.

Der Inhalt

Das Buch ist inklusive Einleitung in sieben Themenblöcke und 31 Kapitel unterteilt. Die ersten beiden Themenblöcke behandeln unter der Überschrift „Wie man gut, interessant und verständlich schreibt“ zunächst „I. Die Wörter“ und „II. Die Sätze“. Die weiteren Themenblöcke widmen sich jeweils einzeln den Fragen wie man jeweils „verständlich“, „gut“, „interessant“ und „korrekt“ schreibt. Ein umfangreicher Anhang samt Glossar, Literatursammlung sowie Namens- und Sachregister runden das Buch ab.

Unter Unterschriften wie „Das treffende Wort“, „Hauptsachen in Hauptsätze“ oder „Schludereien und Marotten“ beschreibt Schneider die verschiedenen Herausforderungen beim Schreiben. Er nutzt gut nachvollziehbare Beispiele, um häufige Fehler beim Schreiben zu illustrieren sowie um den richtigen Umgang damit zu erklären. 

Darf es ein Füllwort weniger sein?

Beispielsweise widmet sich Wolf ausführlich den Füll- und Flickwörtern. Wenn Wörter wie „aber“ oder „zweifelsohne“ nicht dazu beitragen, die Verständlichkeit des Texts zu erhöhen, indem sie zum Beispiel einen Gegensatz beschreiben, sollten sie meist gestrichen werden. Schneider präsentiert im Kapitel „Soll man schreiben, wie man spricht“ (die Antwort ist ein klares Jein“) eine Liste von über 240 Füllwörtern wie „also“, „denn“, „eben“ bis hin zu „so“, „ungleich“ und „zudem“ und ergänzt mahnend, dass „Misstrauen mindestens dann angebracht ist, „wenn zwei dieser Wörter aneinander stoßen“.

Achtung Synonyme!

Eine weitere Herausforderung beim Schreiben, die viele kennen, sind Synonyme. Man will nicht immer das gleiche Wort benutzen und weicht auf ein Synonym aus. Das Kapitel „Vorsicht mit Synonymen“ deutet bereits an, wie Schneider dazu steht. In der Liste „Wetten?“ beschreibt der Autor bekannte Beispiele für beliebte – und daher abgegriffene – Synonyme. Wenn in der ersten Nennung von „Elefanten“ oder „Frankfurt“ die Rede ist, so folgen laut Schneider als zweite Nennung zuverlässig „die Dickhäuter“ und „die Mainmetropole“. Achten Sie beim Lesen darauf, es stimmt wirklich! Auch von Hilfswörtern wie „Ersterer“ und „Letzterer“ oder „dieser“ und „jener“ rät Schneider ab. „Ersterer“ und „Letzterer“ sind falsch, da sie nicht steigerbar sind, und bei „dieser“ und „jener“ ist oft unklar, ob der Erste oder der Letzte gemeint ist. Wiederholungen sind also sinnvoll, da der Leser dann nicht zurücklesen muss. Was er nämlich ohnehin nicht täte.

Finger weg von Adjektiven!

Ein letztes Beispiel für die Praxisnähe des Buchs ist das Kapitel „Weg mit den Adjektiven!“. Laut Schneider gehören Adjektive zu der am häufigsten überschätzten und am meisten missbrauchten Wortgattung. So verwundert es nicht, dass Schneider dafür plädiert, dass Adjektiv nur dort zu verwenden, wo es zwingend ist. Zwingend im Sinne einer Unterscheidung oder Abgrenzung, zum Beispiel beim „blauen Kleid“ (statt des grünen) oder dem „sehenswerten Film“.

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Immer wieder geht es in dem Buch darum, die Dinge so zu beschreiben wie sie sind. Wolf Schneider führt mit seinem Werk selbst eindrucksvoll vor wie es geht. Was sind Ihre Klassiker, wenn es um Kommunikation geht? Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und wünschen viel Spaß beim Lesen.

*Wolf Schneider: „Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil.“ Goldmann-Verlag, 288 Seiten.


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